Georg-Schumann-Straße

 

Freiräume im Umbruch

Von Lavinia Hudson

Eine nicht selten holprige, zuweilen leicht hügelige Magistrale ist die Georg-Schumann-Straße (GSS). Jeder von uns ist diese lange Straße sicher schon einmal entlang gefahren, ob mit dem Auto oder der Straßenbahn. Sie ist eine Hauptverkehrsader, welche durchzogen ist von sanierungsbedürftigen Altbauten, Plattenbauarchitektur, sanierten Gründerzeithäusern, der Agentur für Arbeit und Geschäften des täglichen Bedarfs. Geprägt von Wohlstand und Armut, von Hipstern und Besserverdienenden und sozial benachteiligten Menschen.

Eine Straße mit Widersprüchen und zugleich mit vielen Überraschungen. Die GSS ist dabei eine lebendige Großstadtstraße, welche in den Stadtvierteln Zentrum-Nord, Gohlis-Süd, Möckern und Wahren ihre Spuren hinterlässt. Mit Stärken und Schwächen aber auch ein Ort mit viel Potenzial für zukünftige Projekte. Leider zeigt sich auch, dass diese Straße auch aufgrund ihrer Heterogenität, je nach Stadtteil unterschiedlich betrachtet werden muss. Während im Zentrum-Nord und Gohlis-Süd höhere soziale Ressourcen vorhanden sind, ist dies in den Stadteilen Möckern und Wahren nicht mehr der Fall.

Was macht diese Straße so besonders oder auch so interessant? Diese Straße ist im Umbruch! Start-Up-Unternehmen, Imbisse und Restaurants, Shopping-Center, Kunstprojekte. Man spürt ein tolles Engagement und ein friedliches Miteinander, vom Kinderflohmarkt bis zum Nachbarschafts-Café als Treffpunkt. Eine wissenschaftliche Kooperation zwischen dem Magistralen-Management, Ansprechpartner für alle Fragen rund um die GSS, und der Universität Leipzig verknüpft Analyse mit Ideenentwicklung. Lesenswert sind diese Ergebnisse, die unter dem Titel »Schöne Aussicht. Georg-Schumann-Straße (GSS)« veröffentlicht sind.

Trotz der wachsenden Einwohnerzahl Leipzigs weist die GSS Leerstand auf. Es gibt einen innovativen und kreativen Umgang mit Leerstand. Verschiedene Projekte und Initiativen beleben diese Ausfallstraße und machen sie attraktiv. Kultur vom »Anker« bis zu temporären Galerien. Das einstige Schmuddel-Image verblasst. Diese Straße wirkt jung, dynamisch und hip, Freiräume entstehen. Auffallend ist der Lärm der Straße, vom stählernen Rattern der Straßenbahnen bis zu den polternden Fahrgeräuschen der Autos. Ebenso auffällig ist die fehlende Begrünung. Es ist also wichtig, dass auch hier weiterhin eine partizipierte Stadtentwicklung stattfindet und die Konzepte auf die jeweiligen Bedürfnisse der Anwohner abgestimmt werden, damit diese Straße auch für Familien attraktiv und bezahlbar bleibt. Hoffen wir, dass nicht alle Freiräume verschwinden. Nachhaltige Stadtentwicklung muss die sozialen und kulturellen Aspekte im Auge behalten. Unsere Schwerpunktausgabe zur GSS möchte einen kleinen Beitrag dazu leisten.

Georg-Schumann-Straße

Die Georg-Schumann-Straße im Februar 2018. Fotos: Daniel Merbitz

Im Archiv von Leipzigs Neue findet sich in der Ausgabe 4 des Jahres 2010 der Beitrag Zwischen Völkerschlacht und »Grünem Ungeheuer«: Wie lebt es sich in und um Leipzigs Georg-Schumann-Straße? Nachzulesen auf den Seiten 4/5.

Der Beitrag ist erschienen auf LEIPZIGS NEUE Seiten im März 2018