Faust-Inszenierung in Leipzig

Goethes Schwergewicht „Faust I und II“ in der Regie von Enrico Lübbe ist auch in der nächsten Spielzeit wieder zu sehen. Fotos: Rolf Arnold/Schauspiel Leipzig

Labyrinth der Ideen

Von Lavinia Hudson

Ein warmer Frühsommertag. Ein freundlicher Empfang am Eingang des Schauspielhauses. »Wir führen sie nach oben zu der Studiobühne.« Mit dem Lift nach oben. Lange Flure, mal rechts, mal links. Ein Labyrinth. Dann endlich da!

Das Schauspiel Leipzig zeigt sich unter der Federführung von Intendant Enrico Lübbe in der kommenden Spielzeit unter dem Motto »Miteinander / Ensemble« und präsentiert insgesamt 24 Premieren und 23 Wiederaufnahmen.

2019 ist das Jubiläumsjahr mit dem Fall der Berliner Mauer. Mit der Mauer fielen später die Betriebe. Am 31. August 2019 wird mit dem Theaterfest die neue Saison eingeläutet. Das Schauspielhaus öffnet seine Türen für Begegnungen und Entdeckungstouren, auch durch die verborgenen Orte und Winkel des Gebäudes.

Eröffnet wird die Spielzeit am 3. Oktober mit Heinrich von Kleists »Die Hermannsschlacht« unter der Regie von Dušan David Pařízek. Ein anspruchsvolles Vorhaben!

Die Ereignisse des Herbstes 1989 liegen 30 Jahre zurück, auch zu diesem Anlass finden in dieser Spielzeit die Expertengespräche statt: »Das Ende der Gewissheiten« am 9. Oktober 2019 und »Einigung oder Übernahme« am 28. November 2019. Wieder in der Diskothek.

Auch die »Theaterwege in die Stadt hinein werden wir in der kommenden Spielzeit noch einmal deutlich intensivieren«, so Lübbe. Mit der Produktion »Drei Tage auf dem Land« geht das Sommertheater 2020 an vier verschiedene Orte in und um Leipzig – Von Thekla bis Markkleeberg, vom Kees´schen Park am Cospudener See bis zum Schönauer Park Grünau. Wer immer noch Lust hat sich dem Faust-Thema zu widmen, sollte sich neben der großen Goethes-Faust-Inszenierung, die sich auch in der neuen Spielzeit 2019/20 wiederfindet, die russische Paraphrase »Meister und Margarita« von Michail Bulgakow in der Regie von Claudia Bauer anschauen.

Der nächste Roman, der auf die Bühne gebracht wird ist »Das Schloss« nach Franz Kafka, bearbeitet von Philipp Preuss. Da hat er sich etwas vorgenommen!

Wer wieder einmal einen Bertolt Brecht Abend erleben möchte, der sollte sich den 23. November 2019 notieren: »Der gute Mensch von Sezuan« mit der Musik von Paul Dessau.

Mit »Mein Freund Harvey« inszeniert Schauspiel-Intendant Enrico Lübbe die legendäre Komödie der Autorin Mary Chase. Im Mittelpunkt steht dabei Harvey, ein großer, unsichtbarer Hase, der dem Protagonisten Elwood P. Dowd nicht von der Seite weicht und die Toleranz der Familienmitglieder auf die Probe stellt. Das diesmalige Familienstück für Groß und Klein ist »Die Eisjungfrau« von Hans Christian Andersen.

In der Diskothek, dem Ort für Gegenwartdramatik, wird ein Auftragswerk des Schauspiel Leipzig der finnischen Autorin Emmy L. Karhu zelebriert: »ERIOPIS – Die unglaubliche Geschichte von Medeas überlebender Tochter«, eine feministische Weiter- und Überschreibung des Medea-Stoffes. Der Braunkohleabbau rund um Leipzig wird in einem dokumentarischen Projekt von Regine Dura und Hans-Werner Kroesinger »Hundert Jahre Kohle« in den Blick genommen. Der nächste Strukturwandel rollt auf den Osten zu.

Wer Lust hat, auf verschlungenen Wegen zu wandeln, Theaterfassungen von Romanen, Wagnisse mit großen Stoffen, junge Stimmen zu erleben, sollte das Schauspiel Leipzig besuchen. Ein Labyrinth aus Texten und Ideen. Es darf sich verlaufen werden!

Der Beitrag ist erschienen auf LEIPZIGS NEUE Seiten im Juni 2019

Schauspiel-Intendant Enrico Lübbe

Schauspiel-Intendant Enrico Lübbe erläutert die nächste Spielzeit.