Übelkrähe

So nannte Herbert Wehner anno 1970 den CDU-Abgeordneten Jürgen Wohlrabe und lag mit seiner Einschätzung so falsch nicht, wie ich aus eigenem Erleben mit dem Gescholtenen bezeugen kann. Vier Jahre später nannte derselbe denselben dann ein Schwein, was ich wiederum nicht nachvollziehen kann, denn im Gegensatz zur landläufigen Meinung handelt es sich bei Schweinen um ausgesprochen saubere Tiere. Ein Attribut, das sich, im moralischen Sinn, nur schwer mit Herrn Wohlrabe in Verbindung bringen lässt. Wer im Glashaus sitzt: auch der spätere Sozialdemokrat Wehner hat, noch als Kommunist, im sowjetischen Exil Genossen der eigenen Partei ans dschugaschwilische Messer geliefert. Übelkrähe eben.

Sprechen wir über Wolfgang Schäuble, die schwarze Null im Finanzministerium dieser Republik. Immer forsch im Umgang mit denen, die ihm missfallen, ist er wenig wählerisch in Form und Ausdrucksweise. Es darf schon mal persönlich und ausfallend werden, auch oder gerade in der Öffentlichkeit. Da ist der Herr Oberlehrer unerbittlich, wie sich im Umgang mit dem griechischen Kollegen zeigt, denn: pacta sunt servanda, Verträge müssen eingehalten werden, egal, unter welchen Umständen sie zustande gekommen sind. Egal, wieviel Nutzen dem einen und wieviel Schaden dem anderen Vertragspartner entstehen. So ist das nun mal. Basta. Denken wir ein paar Jahre zurück. 1994 hat der gestrenge Wolfgang von dem Waffenhändler Karlheinz Schreiber für seine christliche Partei eine Spende von lächerlichen 100000 DM in bar zugesteckt bekommen, an die er sich schon fünf Jahre später nicht mehr erinnerte. Schlimmer, der nationale Zuchtmeister konnte sich kaum noch an die Bekanntschaft mit dem Krämer des Todes entsinnen, er, Schreiber, wurde ihm, Schäuble, auf einem Gesprächsabend kurz mal vorgestellt, erst viel später hätte er den Namen des Unbekannten erfahren, teilte er in einer öffentlichen Sitzung des Bundestags mit. Da hat es der schwäbische Ehrenmann mit der Wahrheit nicht ganz so genau genommen, wie er sie von anderen vehement einfordert. Nicht wenige würden es Lüge nennen. Unnötig zu erwähnen, dass auch seine CDU, die Partei mit den hehren Werten und den hohen moralischen Ansprüchen an sich (meist aber an andere), das Schmiergeld der Waffenlobby nicht den Gesetzen gemäß angegeben und verbucht hat. Es tauchte in keinem Rechenschaftsbericht je wieder auf, war plötzlich weg, niemand hat's gesehen. Außer der schwarzen Null, die hat es entgegengenommen. Schwarzes Geld verschwindet in einem schwarzen Loch. Einfach so. Das kommt oft vor. Die Übelkrähe lässt grüßen.

Sprechen wir über Volker Kauder. Auch er nicht zimperlich, wenn es darum geht, die gewählten Vertreter anderer Staaten mit unflätigen Worten zu verunglimpfen und frech zu belehren. Auch er verkehrt in den richtigen Kreisen. Bei der Waffenschmiede Heckler & Koch zum Beispiel, deren Zuwendungen und Spenden selbstverständlich in keinem Zusammenhang mit dem Engagement Kauders für diese Firma stehen. Warum? Weil der Volker nicht käuflich ist. Wegen der christlichen Werte, denen er sich verpflichtet fühlt. Ach, die dreißig Silberlinge, sie klimpern verschämt aus der dunklen Vergangenheit. Bleibt nur noch die Frage, warum die Politkasper aus dem süddeutschen Raum allesamt eine merkwürdige Sprache vor sich hin schwäbeln und ratzeln, die mit der deutschen so wenig gemein hat. Vielleicht liegt es daran, dass der Normalbürger den Unterschied zwischen dem, was sie sagen, und dem, was sie tun, so wenig zu verstehen vermag.

So hocken die Krähen auf den güldenen Ästen, die andere ihnen erarbeiteten, krächzen Übles in die Welt und vergießen die eine oder andere Krokodilsträne, wenn denn eine Kamera und ein Mikrofon in der Nähe sind. Allen voran, wie konnte es anders sein, der Feldprediger Gauck und seine Chefin Angela. Wegen der Flugzeugkatastrophe brach der eine seinen Besuch in Südamerika ab und die andere flog in die Alpen, »um sich persönlich ein Bild von der Lage zu machen.« Dieses bigotte Buhlen um Aufmerksamkeit treibt mir den Blutdruck hoch. Ich wünschte, diese Schwarze Frau flöge zum Mittelmeer, um sich dort ein Bild von den Leichen der Menschen zu machen, die gerade auch durch ihre Politik Woche für Woche jämmerlich in den Fluten den Tod finden.

Der Beitrag ist erschienen in LEIPZIGS NEUE, Ausgabe April 2015

Aktualisiert am 3. April 2015 LEIPZIGS NEUE • StartseiteKontaktImpressum